Praxis
für Beziehungen, Liebe, Partnerschaft & Sexualität | Holger Niggemann

Lieben und Liebesbeziehung heisst Grenzen setzen

Liebe, Partnerschaft, ich bin dein, du bist mein – ein Wir-Gefühl. Wohlige Wärme, Vertrauen, Respekt – warum Grenzen setzen? Wir haben alle Grenzen und eine Beziehung – egal welcher Art – kann nur durch ihre Grenzen definiert werden. Und zu diesen Grenzen gehören auch unsere eigenen Grenzen. Wo beginne ich in der Beziehung, wo mein(e) Liebesmensch(en)? Und was soll, kann und darf unsere Beziehung?

Ohne Reden geht es leider nicht – Grenzen werden im Gespräch miteinander ausgehandelt und gesetzt.

Um zu definieren, was alles in die Beziehung gehört und was nicht, braucht es Gespräche. Ohne Reden geht es leider nicht. Doch leider haben alle Menschen eine andere Gesprächskultur in ihrer Ursprungsfamilie gelernt. Bei meinem Mann z.B. gehörte zum Familie sein dazu, dass man gemeinsam TV sieht. Und bis heute läuft der TV immer, wenn seine Familie zusammen kommt. In meiner Familie wurde geredet und der TV blieb aus, wenn die Familie zusammen kam. Ausreichend Konfliktpotenzial bringen mein Mann und ich also mit.

Nicht reden, sondern aussitzen – Vertrauen ist nötig!

Mein Mann und ich waren uns jedoch schnell einig: Wir wollen eher meine Familienkultur für unsere Beziehung übernehmen. Doch bei anderen Themen ist er eher die Person, welche die Diskussion aussitzen versucht und ich bin die Person, die unerbittlich redet. Schwierig, eine Grundlage für gelingende Gespräche zu erzeugen, oder? Mein Mann hat leider gelernt, dass in Beziehung nicht vertraut werden kann.

Vertrauen aufbauen, damit gemeinsam geredet werden kann?

Doch wie bekomme ich einen Menschen, der wenig spricht dazu, über seine Bedürfnisse aber auch Grenzen zu reden? Dazu muss Vertrauen geschaffen werden. Und wie in meinem Fall musste mein Mann Vertrauen in die Beziehung erst lernen. Vertrauen bedeutet, dass auch peinliches und unangenehmes auf den Tisch kommen kann.

Aufbau von Vertrauen

Was vielleicht schwer klingen mag, ist dennoch einfach. Vertrauen wird durch gemeinsames Erleben und Gemeinsamkeiten aufgebaut. Dazu können gemeinsame Spiele und Aktivitäten dienen. Dabei können die Beziehungsmenschen in ein lockeres Gespräch kommen. Bitte jetzt nicht das Thema oder das Gespräch erzwingen. Vielleicht Thema und Gespräch einfach auch mal zurück stellen. Nach der nächsten/bei der übernächsten Aktivität das Gespräch und Thema wieder aufnehmen. Aber auch weiterhin nicht erzwingen!

Wir erzählen von unseren Bedürfnissen und Grenzen und fragen die Person uns gegenüber nach ihren.

Dabei wird es nun noch komplizierter. Nachdem wir etwas erzählt haben, müssen wir unserem Liebesmenschen etwas Zeit geben, um darüber nachzudenken. Wie lange, hängt leider von dem uns Gegenüber ab. Hier hilft nur geduldig sein. Und auch wenn unser Liebesmensch etwas von sich erzählt hat, sollten wir genau zuhören – bis zum Ende der Sätze zuhören! Danach sollten wir uns und unserem Liebesmenschen wieder etwas Zeit geben. Wir müssen die Informationen verarbeiten, unser Gegenüber muss nachdenken, ob noch etwas zu ergänzen ist. Wenn uns noch nicht klar ist, was unser Liebesmensch genau meint, müssen wir Rückfragen stellen. Dabei sollten diese konstruktiv sein. Manchmal lohnt es sich, auch die Aussage des Gegenübers mit den eigenen Worten zu wiederholen. Dies sollte jedoch nicht in ein hirnloses Nachplappern der Aussagen enden, sondern eher mit einem Fragezeichen a la: „Habe ich Dich richtig verstanden?“ Das Gespräch kann dabei konstruktiv Fahrt aufnehmen. Gönnen sich sich – in so einem anstrengenden Beziehungsgespräch – aber auch Verschnaufpausen. Manchmal ist es wichtig, dass was der Liebesmensch gesagt hat, nicht direkt zu bewerten sondern sich erstmal (auch mehrere Tage) durch den Kopf gehen zu lassen. Dabei kann die Phrase „Ich liebe Dich. Aber jetzt hast du mir etwas zum Nachdenken gegeben.“ helfen. Wut oder Angst können dazu führen, dass ein Gespräch nicht mehr konstruktiv ist. Achten Sie daher auf Ihre eigenen Gefühle und versuchen Sie, die Gefühle Ihres Gegenübers ebenfalls zu spüren.

Platz für Missverständnisse

Sprache ist sehr komplex. Auch wenn wir alle wissen, was mit dem Wort Ball gemeint ist, haben wir jedoch alle eine andere Vorstellung von dem Ball. Wir können nicht alle Informationen so genau rüberbringen, wie wir es wollen. Daher sehen Sie es sich und Ihrem Liebesmenschen nach, wenn es in solchen Gesprächen es zu Missverständnissen kommt. Wir Menschen sind nunmal so, dass wir andere Menschen missverstehen können, auch wenn wir dies nicht wollen.

Regeln und Bedürfnisse klar kommunizieren

Schaffen wir es nun gemeinsam über die Grenzen, Regeln und Bedürfnisse in der Beziehung zu sprechen, sollten wir möglichst einfache Sprache verwenden. So können wir unnötige Missverständnisse vermeiden. Verschachtelte Sätze und unklares Ausdrücken helfen uns hingegen nicht dabei. Regeln müssen klar kommuniziert / ausgesprochen werden. Dadurch machen wir es unserem Liebesmenschen einfach, diese zu verstehen und zu akzeptieren. So können unsere Bedürfnisse auch erfüllt werden.

Klare Grenzen

Sind die Grenzen in der Beziehung klar gesetzt? Egal, wie gut Sie gemeinsam die Beziehungsgrenzen ausgehandelt haben. Unsere Liebe und Beziehungen sind immer auch Wandel/Veränderungen unterworfen. Daher lohnt es sich, immer wieder über Grenzen zu sprechen. Haben sich diese verschoben? Sind vielleicht auch neue Freiheiten erwachsen? Oder muss nachgebessert werden?


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